Gastbeitrag von Cindy:
Eigentlich hatte ich nie Angst vor der Geburt. Ich habe mir auch von niemandem etwas erzählen lassen und nur ausgewählte Bücher gelesen, die positive Geburtsberichte veröffentlicht haben. Somit war ich eigentlich nur gespannt darauf, wie es sein wird und wie ich das meistern würde.
Selbstbestimmte Geburt im Krankenhaus?
Die einzigen Bedenken, die ich hatte bestanden gegenüber dem Krankenhaus. Ich hatte Angst fremdbestimmt zu werden und mich nicht gehen lassen zu können.
Selbstbestimmte Geburt: Es begann mit Unruhe
Schon einige Tage bevor mein kleines Bärchen zur Welt kommen sollte, spürte ich ein ständiges Ziehen im Unterleib, das jedoch immer nach kurzer Zeit wieder verschwand.
Woche 39 und 5 Tage: Schon am Abend begann das Ziehen wieder und ich spürte eine innere Unruhe. Ich beschloss diese Unruhe weg zu spazieren und schlafen zu gehen. Nachts wurde ich einmal wach, weil das Ziehen kurz bis in den Rücken zu spüren war, aber sehr unangenehm war es immer noch nicht.

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Selbstbestimmte Geburt: Es sind Wehen
Am nächsten Morgen, merkte ich, dass das Ziehen immer noch da und nun im 8-Minuten-Takt zu spüren war, außerdem hatte ich leichten Durchfall. Mein Partner und ich sind noch duschen gegangen und hin und her spaziert, aber wir waren uns immer noch unschlüssig, ob wir die Krankenhaustasche nun mit zu seiner Arbeit nehmen sollten, oder nicht.
Wir haben sie dann glücklicherweise mitgenommen und so gegen 9.30 Uhr war ich mir dann sicher, dass es Wehen sind.
Selbstbestimmte Geburt: Die geplatzte Fruchtblase gibt den Startschuss
Der Abstand zwischen den Wehen wurde geringer und ich spürte es immer stärker, nicht schmerzhaft, sondern intensiv aufregend. Dann ist meine Fruchtblase gerissen und grün verfärbtes Wasser lief mir das Bein herunter. Das war für mich der Moment, in dem ich nur noch ins Krankenhaus wollte und ich auch teilweise Angst um mein Baby hatte.
Die 20-minütige Fahrt war wirklich nicht schön, wir hatten viel Verkehr und mein Partner musste ständig abbremsen. Ich konnte mich nicht frei bewegen und hatte Schwierigkeiten zu atmen. Im Krankenhaus sind wir dann sofort in den Kreißsaal gekommen. Dem Bärchen ging es gut und der Muttermund war bei 3 cm.
Selbstbestimmte Geburt: Ich übernahm das Kommando
Ich erinnere mich noch gut, wie mich die kleinsten Kleinigkeiten wütend gemacht haben. Ich konnte es nicht ertragen, dass ich noch Kleidung trug, dass die Luft so schlecht war und mir bei offenem Fenster so kalt war.
Eigentlich bin ich ein ruhiger Mensch. Wenn mich etwas stört, lasse ich es lieber über mich ergehen als es anzusprechen, aber in dem Moment habe ich einfach instinktiv gehandelt. Ich habe mich ausgezogen und meinen Partner herumkommandiert, mir Wasser (ich hatte unbeschreiblichen Durst) und die Kotztüte zu reichen.
Er war ziemlich baff, dass ich ihm Befehle erteilt habe ?
Die selbstbestimmte Geburt gibt Vertrauen in den Körper
Zu Hause hatte ich es nur geschafft eine halbe Banane zu essen, aber bei jeder Wehe musste ich mich übergeben. Das hat mir richtig gutgetan, weil ich einerseits abgelenkt war und zweitens das Gefühl hatte, dass etwas passierte.
Ich konnte weder liegen noch sitzen und habe die ganze Zeit auf dem Bett auf allen Vieren gehockt. Ich konnte mich somit gut genug bewegen. Die Wehen konnte ich schön veratmen, obwohl ich nie einen Geburtsvorbereitungskurs besucht habe. Es verlief alles ohne nachzudenken. Ich hatte einfach tiefstes Vertrauen zu meinem Körper und meinem Baby.
Ich konnte immer genau sagen, wann eine Wehe kam, es ist tatsächlich wie eine Welle. Es fängt leicht an und wird immer größer und dann ebbt es leicht ab. Teilweise habe ich mich während zwei Wehen ganz normal gefühlt und mit meinem Partner lachen können, aber zwischen den meisten Wehen war das gar nicht möglich, weil ich mich so sehr auf mich und meine Atmung konzentrieren musste.
Während der selbstbestimmten fühlte sich das falsch an
Nach einiger Zeit war ich dann schon auf 6 cm offen und dann ganz schnell auf 8 cm. Dann spürte ich nur, wie ich pressen musste, ein unglaublicher Drang und ein Wahnsinnsgefühl. Ich wurde dazu aufgefordert mich hinzulegen und die Beine anzuwinkeln und weiter zu pressen.
Das war der einzige Moment, bei dem ich mich nicht wohl gefühlt habe. Das Liegen hat sich falsch angefühlt und ich habe auf Kommando gepresst, so dass ich keine Luft mehr bekam.
Trotz selbstbestimmter Geburt ein Schnitt
Zweimal hat er einen Dammschnitt vollzogen. Wahrscheinlich war das das Schmerzhafteste an der ganzen Geburt. Der Arzt hat mir noch einmal kräftig auf den Bauch drücken müssen und dann wurde mir auch schon mein kleiner Bär auf den Bauch gelegt. Die Geburt hat ungefähr 2 Stunden und 40 Minuten gedauert.
Eine selbstbestimmte Geburt ist im Krankenhaus kein Problem
Im Nachhinein kann ich sagen, dass meine Angst vor dem Krankenhaus nur teilweise gerechtfertigt war, weil ich effektiv bei einigen Dingen keine Kontrolle hatte und ich mir bis jetzt noch nicht sicher bin, was genau bei der Geburt passiert ist. Ich habe alles ausgeblendet. Andererseits ist diese Angst auch total unbegründet, weil es mir im Endeffekt egal war ob, es jetzt ein Dammschnitt oder Riss war, solange es meinem kleinen Baby gut geht.
Ich bin auf jeden Fall unbeschreiblich dankbar dafür, dass das alles so gut und einfach geklappt hat, auch wenn es etwas dauert, solch ein kurzes, intensives Erlebnis zu verarbeiten.
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